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Am Start für den deutschen Zählermarkt

ZENNER gehört heute zu den größten Gaszählerherstellern weltweit und bereitet nun den Markteintritt in Deutschland und Europa vor. Erste Prototypen für den europäischen Markt sollen Ende 2019 verfügbar sein. Dieter Sucietto steuert die Produktentwicklung und Markteinführung.

Als Dieter Sucietto am 1. Juli 2018 die Stelle als Vertriebsleiter für Gaszähler bei der ZENNER International GmbH & Co. KG antrat, war er sich der Herausforderung bewusst. Er hat die anspruchsvolle Aufgabe übernommen, das Saarbrücker Unternehmen als Gaszählerlieferant in Deutschland und Europa zu etablieren. Außerhalb Europas verkauft das Unternehmen Gaszähler schon in großen Stückzahlen – aber noch nicht in der Bundesrepublik. Die Geräte müssen zuvor angepasst werden und ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen, damit sie auch bei deutschen Gasverbrauchern verbaut werden dürfen.

Langstreckenlauf zur Zulassung

Dieser Prozess gleicht einem Langstreckenlauf. Denn Gaszähler sind kein Allerweltsgegenstand, den man von heute auf morgen auf den Markt bringen kann. Von den Geräten, die ein mechanisches Innenleben haben, wird erwartet, dass sie über einen sehr langen Zeitraum hochgenau Gasverbräuche messen. Darüber hinaus spielen beim Medium Gas grundsätzlich Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle. Daraus resultiert ein strenges und langwieriges Zulassungsverfahren. Sucietto schätzt, dass die neuen Gaszähler frühestens in den kommenden zwei Jahren serienmäßig verkauft werden können. Trotzdem muss er schon heute bei deutschen Gasversorgern Interesse für das entstehende Produkt wecken. Die Aufgabe könnte spannender nicht sein. Der 56-Jährige ist in der Versorgerbranche als Experte für Gaszähler bekannt. Er ist sich sicher: Die Vorzeichen für das Gelingen des ambitionierten Unterfangens stehen günstig. ZENNER hat in den letzten Jahren wichtige strategische Schritte unternommen, um global und perspektivisch auch hierzulande im Markt für Gaszähler ein maßgeblicher Player zu werden. Außerdem spielen den Saarländern Marktveränderungen in die Karten, die durch die Digitalisierung auf die Versorgerbranche zurollen.

Engagements in China und Italien

Rund 4 Millionen Gaszähler produziert ZENNER jährlich für den chinesischen Markt. Fotos: ZENNER International GmbH & Co. KG

ZENNER zählt schon heute weltweit zu den größten Herstellern von Gaszählern. Im Rahmen eines Joint Ventures mit der Chinesischen FATO-Gruppe wurde 2012 in Shanghai die Zenner Metering Technology Ltd. gegründet. Das Unternehmen produziert mittlerweile rund 4 Millionen Gaszähler jährlich für den chinesischen Markt und plant, die Fertigung weiter auszubauen. Die dortige Produktion soll später auch die Märkte in Europa versorgen. Dieter Sucietto zeigte sich nach der ersten Besichtigung der Fabrik vor Ort begeistert: „ZENNER hat in China eine Zählerproduktion aufgebaut, die in Sachen Automatisierung und Prozessexzellenz ihresgleichen sucht.“ Mit der Übernahme der Energiesparte der Alfa Centauri S.p.A. setzte ZENNER im Dezember 2017 einen zweiten wichtigen Schritt der Gaszähler-Strategie um. Das Unternehmen, mittlerweile als ZENNER Gas S.r.l. mit Geschäftssitz in Pescara firmierend, ist spezialisiert auf innovative Fernauslesetechnik für smarte Gaszähler sowie Dienstleistungen im Bereich der Zählerfernauslesung, des Datenmanagements und der Verbrauchsabrechnung. Sinn und Zweck der Akquisition brachte Alexander Lehmann, Geschäftsführer der Minol-ZENNER-Gruppe, damals auf eine klar zukunftsorientierte Formel: „Mit ZENNER Gas S.r.l. versetzen wir uns in die Lage, unseren Kunden neben smarten Wasserzählern, Wärmezählern und Heizkostenverteilern in Zukunft auch intelligente Gaszähler mit IoT-Technologien wie zum Beispiel LoRaWAN anzubieten. Diese Lösungen sind ein wesentlicher Baustein auf dem Weg in die digitalisierte Energie- und Versorgungswirtschaft.“

Außerdem verfügt ZENNER Gas S.r.l. über umfangreiche Erfahrungen aus dem Rollout intelligenter Gaszähler. Italien hat sich als eins von wenigen EU-Mitgliedsländern frühzeitig für eine verpflichtende Einführung intelligenter Gaszähler entschieden und mittlerweile mehrere Millionen smarter Gaszähler installiert. Dieses Know-how steht ZENNER nun auch für andere europäische Märkte zur Verfügung.

Die Engagements in China und Italien zahlen auf eine Gesamtstrategie ein, die auch Dieter Sucietto überzeugt: „ZENNER hat sich in den letzten zwei Jahren konsequent in Richtung Komplettlösungsanbieter für Versorgungsunternehmen bewegt und ist in der Lage, schnell Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die man braucht, um im zukünftig digitalisierten Versorgungsmarkt eine zentrale Rolle spielen zu können.“

Gasmarkt vor Veränderungen

In der Tat steht der Markt vor gravierenden Veränderungen. „Wir haben heute noch relativ starre und eingefahrene Strukturen in Deutschland“, beobachtet Sucietto. „Aber die Digitalisierung wird die Karten neu mischen. Stadtwerke und Energieversorger werden künftig völlig andere Anforderungen an Gaszähler stellen als bisher. Der Vorteil der zukünftigen Gerätegeneration gegenüber den alten Modellen ist sicherlich, dass man jederzeit Zählerstände, Verbrauchswerte und Informationen rund um den Zähler aus der Ferne abrufen, verarbeiten und überwachen kann. Dieser bevorstehende Umbruch ist unsere große Chance, im Gasmarkt Fuß zu fassen.“ Wie bewertet die Gasbranche das Engagement von ZENNER? „Sehr positiv“, fasst Sucietto seine Eindrücke aus zahlreichen Gesprächen zusammen, die er seit dem Herbst 2018 mit Gasversorgern geführt hat. „Die Unternehmen freuen sich, dass sich im Markt etwas tut und ein weiterer Wettbewerber auf den Plan tritt. Wir werden als sehr verlässlich und vertrauenswürdig eingestuft.“

Rund 12,5 Millionen Stück ist der deutsche Gaszählermarkt schwer. Davon werden jährlich zwischen 800.000 und 1,2 Millionen ausgewechselt. Bis ZENNER aktiv mitmischen kann, wird es mindestens zwei Jahre dauern, schätzt Sucietto. Sein Ziel ist es, bis Ende 2019 die Geräteentwicklung so weit voranzutreiben, dass die Zähler den deutschen Anforderungen an Gehäuse, Abmessungen und Anschlüssen entsprechen. Anschließend bzw. parallel können die Zulassungsverfahren beim DVGW und der PTB sowie für die Präqualifikation bei den Gasversorgern starten.

Gesamtpaket muss stimmen

Foto: shutterstock

„Ich glaube, dass es auf das Leistungspaket ankommen wird“, meint Sucietto. „Der Gaszähler der Zukunft muss langzeitstabil sein, also höchste technische Qualität repräsentieren. Er muss kommunikationsfähig sein, und er muss wirtschaftlich attraktiv sein. Wir sind überzeugt, dass wir bei allen Faktoren die bestmöglichen Voraussetzungen mitbringen, um einen solchen Zähler auf den Markt zu bringen und damit erfolgreich zu sein. Wenn wir die Zulassung für Deutschland haben, wird das auch wegweisend für die anderen Länder in Europa sein.“

ZENNER-Geschäftsführer Sascha Schlosser ist optimistisch, dass die Strategie aufgeht. „Der Gaszählermarkt ist für ZENNER nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zusammenwachsens der Versorgungssparten hochinteressant. Wir wollen und werden in der Lage sein, den Versorgern auch hier zukunftsweisende Messtechniklösungen zur Verfügung zu stellen. Mit Dieter Sucietto haben wir einen Mann an Bord geholt, der uns mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten sehr helfen wird, die Markteinführung in Europa zu begleiten und erfolgreich zu gestalten.“ (pq)

Kontakt: ZENNER International GmbH & Co. KG, Dieter Succietto, 66121 Saarbrücken,Tel. +49 (0) 681-99676-0, info@zenner.com