Eine Marke als Türöffner

Die Rheinische NETZGesellschaft geht die Umstellung von L- auf H-Gas mit einem umfassenden Konzept an.

Ein Netzgebiet mit knapp zwei Millionen Menschen und etwa 500.000 Erdgasgeräten: Das Mammutprojekt der Erdgasumstellung im Rheinland nimmt Fahrt auf. Seit Juni sind die Techniker der ErdgasUmstellung – eine Marke der Rheinischen NETZGesellschaft mbh (RNG) – zunächst im östlichen Rheinland unterwegs und prüfen den Zustand und Anpassungsbedarf sämtlicher Erdgasgeräte in den Haushalten und Unternehmen der Region. Bis 2029 soll die Anpassung von L- auf H-Gas abgeschlossen sein. In weiten Teilen Deutschlands wird H-Gas bereits genutzt, das Rheinland schließt sich nun an. Das Gasnetzgebiet der Region um Köln ist eines der größten deutschen Umstellungsgebiete. „Solch ein hochtechnisches Großprojekt kommt naturgemäß mit einigen Herausforderungen daher. Dank optimaler, frühzeitiger Planung und dem Blick fürs Detail – sowohl im Prozessmanagement als auch auf technischer Ebene – sind wir gut aus den Startlöchern gekommen und für die anstehenden Aufgaben bestens gerüstet“, sagt Stephan Pütz, Projektleiter der ErdgasUmstellung.

Vorplanung seit 2015

Seit Juni dieses Jahres sind Techniker der ErdgasUmstellung im östlichen Rheinland unterwegs. Dank intensiver Kommunikationsmaßnahmen gestaltet sich der Kundenkontakt äußerst positiv. Foto: ErdgasUmstellung

Das Netzgebiet der RNG erstreckt sich vom dicht besiedelten Ballungsraum um Köln und Leverkusen bis zum ländlichen Raum im Oberbergischen um Gummersbach. Mit dem heterogenen Umstellungsgebiet einher geht eine abwechslungsreiche Netztopologie mit den unterschiedlichsten Erdgasgeräten, deren Anpassung genau getaktet werden muss. Den Anfang macht die östliche Region im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis zwischen Bergisch Gladbach und Engelskirchen. Hier soll ab April 2020 H- statt L-Gas fließen. „Von diesem Zeitpunkt ausgehend haben wir rückwärts geplant und uns zum Beispiel gefragt, wann wir damit beginnen müssen, die Erdgasverbrauchsgeräte zu erfassen. Mit dem Vorprojekt sind wir bereits 2015 gestartet. Dabei haben wir zunächst das Projektdesign festgelegt und sehr genau analysiert, welche Leistungen wir selbst erbringen können und was wir an Dienstleister auslagern müssen“, erklärt Pütz. Durch die frühe Ausschreibung des technischen Projektmanagements war eine wichtige Wegmarke schnell erreicht und erleichterte dank der zusätzlichen Expertise die weitere Planung.

Die Marke ErdgasUmstellung

Zum Vorlauf gehörte auch die Schaffung der Marke ErdgasUmstellung. „Durch die Marke können wir sehr zielgerichtet kommunizieren, was bei über einer Million Kundenkontakten, die wir für eine erfolgreiche Marktraumumstellung benötigen, ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein wird“, ist sich Pütz sicher. Dass die Techniker in der eher ländlich geprägten Gegend des ersten Umstellungsgebiets seit dem Start der Erhebungsphase im Juni dieses Jahres kaum auf verschlossene Türen oder skeptische Bewohner treffen, bestätigt die optimistische Prognose. Die hohe Erreichbarkeitsquote führt Projektleiter Pütz auf die Markenbildung sowie die gute Kommunikation vorab zurück. Durch die Website www.meine-erdgasumstellung.de sowie zahlreiche Anzeigen und Medienberichte etabliert, sorgt das Logo der ErdgasUmstellung bei den Verbrauchern für Wiedererkennung und Sensibilisierung – und erleichtert den Technikern vor Ort die Arbeit. Als Multiplikatoren wurden zudem früh Bürgermeister, Landräte, Feuerwehr, Polizei und Handwerksinnungen mit ins Boot geholt, um die Verbraucher zusätzlich zu informieren. „Wir wollten erreichen, dass die Kunden von der Wort-Bild-Marke ausgehend sofort erkennen, worum es geht. Das ist uns gelungen“, so Pütz. „Die Menschen machen die Tür auf, sind über die Anpassung informiert und begegnen uns freundlich“, bestätigt Daniel Hermann, Leiter des technischen Projektmanagements, die Effektivität der Kommunikationsoffensive. Entwickelt wurde die Marke ErdgasUmstellung von der Unternehmenskommunikation der RheinEnergie, die ihre Tochtergesellschaft RNG bei der Marktraumumstellung kommunikativ berät.

Herausforderung Softwareanpassung

Auch informationstechnisch war die Projektleitung der ErdgasUmstellung gefordert: Das eigens für die Erdgasumstellung benötigte IT-System zur Prozesssteuerung musste an die konkreten Bedürfnisse angepasst werden. Anspruchsvolle Konfigurationen und Anpassungen, die in kürzester Zeit – rechtzeitig zum Start der Erhebungsphase im ersten Umstellungsgebiet – bewerkstelligt wurden. „Es gibt für die Anforderungen einer Erdgasumstellung kein Standardprogramm. Wir benötigten eine Weiterentwicklung speziell für unsere Zwecke, eine Lösung, die auch mit unserer internen Software und unseren Prozessen harmoniert“, zeigt Pütz die Herausforderungen auf dem IT-Gebiet auf.

Das komplette Umstellungsgebiet der ErdgasUmstellung im Rheinland. 2020 startet der Wechsel zu H-Gas im Bergischen und Oberbergischen Kreis. Die Region um Leichlingen markiert 2029 den Schlusspunkt der Anpassungsarbeiten. Foto: ErdgasUmstellung

Gestaffelte Umstellung

Nach der Informationsphase und der derzeit laufenden Erhebungsphase wird es im Umstellungsgebiet 2020 ernst, wenn es um den tatsächlichen Umbau der Erdgasgeräte für die Verbrennung von H-Gas geht. Verschiedene Aspekte spielen für die Gasexperten der ErdgasUmstellung hierbei eine entscheidende Rolle. So sammeln die Fachleute um Daniel Hermann vom technischen Projektmanagement während der Erhebungsphase wichtige Erkenntnisse darüber, wie und wann welches Gerät optimal angepasst wird. Einige Geräte können weit vor der Umstellung angepasst werden, andere erst danach. Bei einigen Geräten muss die Anpassung in einem 24-Stunden-Korridor während der H-Gas-Einleitung geschehen. So entsteht innerhalb eines Umstellungsgebiets ein Cluster von Geräten, die jeweils im selben Intervall umgebaut und zur passenden Zeit mit H-Gas versorgt werden.

„Zur optimalen Ressourcenauslastung sollte ein Anpassungsgebiet nicht mehr als 20.000 Geräte beinhalten, damit diese pünktlich und somit möglichst störungsfrei angepasst werden können“, erklärt Björn Brokmann, Teilprojektleiter der Netzplanung. Gerade in Ballungsräumen wie Köln, wo in einigen Jahren etwa 180.000 Geräte angepasst werden, ist dann Fingerspitzengefühl gefragt. „Das Netz muss entsprechend unterteilt werden, Übernahmestationen müssen ausgebaut und Betriebsfahrweisen entsprechend angepasst werden. Das alles erfolgt in enger Abstimmung mit den vorgelagerten Netzbetreibern“, so Brokmann.

Für die Erdgasnutzer sollen die Anpassungsarbeiten so stressfrei wie möglich ablaufen. Bisher, so zeigen die ersten Erfahrungen, ist das der Fall. „Man kann so ein riesiges Projekt aus verschiedenen Perspektiven angehen. Technik, Organisation und Kommunikation spielen eine wichtige Rolle. Unsere Prämisse ist aber stets, das Projekt aus der Sicht des Kunden zu denken“, erklärt Projektleiter Pütz das Erfolgsrezept.

Kontakt: ErdgasUmstellung c./o. Rheinische NETZGesellschaft mbH, Parkgürtel 26, 50823 Köln

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