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figawa – die Zukunft ist europäisch

10 Fragen an Volker Meyer, Hauptgeschäftsführer der figawa

1. Herr Meyer, Sie sind jetzt knapp 4 Monate im Amt. Mit welchen strategischen Zielen sind Sie als Hauptgeschäftsführer der figawa gestartet?

Im Zuge des „Zukunftsprogramms FIGAWA 2030“ liegt die strategische Perspektive in der europäischen Ausrichtung des Verbandes. Wir wollen in Brüssel mit einer Stimme für die Mitgliedsunternehmen sprechen. Da unsere Mitgliedsunternehmen mehrheitlich international aufgestellt sind, steht die aktive Mitgestaltung des regulatorischen Rahmens für die Hersteller und Anlagenbauer in der Gas- und Wasserwirtschaft ganz oben auf der Agenda. Zu nennen sind hier beispielsweise die im Sommer anstehende Überarbeitung der europäischen Bauproduktenverordnung oder das europäische Level(s)-Projekt zur Rahmengestaltung zentraler Nachhaltigkeitsindikatoren für Büro- und Wohngebäude, in dem u.a. Energieeffizienz und die Bewertungskriterien für Gas als Energieträger eine wichtige Rolle spielen.

2. Welche Meilensteine stehen für Sie in den kommenden drei Jahren im Fokus und wie können Sie diese erreichen?

Volker Meyer, Hauptgeschäftsführer der figawa.

Wichtige Voraussetzung zur Erreichung der Ziele unseres Zukunftsprogramms ist es, unsere Kooperationen mit deutschen und europäischen Fachverbänden und Organisationen auszubauen, um die Kräfte für unser Engagement bei europäischen Fragestellungen zu bündeln. Hier sind wir bereits in Gesprächen mit unseren Partnerverbänden und nehmen am Dialog „Gas 2030“ des BMWi aktiv teil. Bei der Mitgestaltung technischer Anforderungen blicken wir vor allem auch auf die europäischen Zielmärkte unserer Mitglieder, wie z.B. die D/A/CH- Region oder Frankreich. Zudem werden wir uns stärker auch auf Querschnittsthemen wie zum Beispiel Wasserstoff konzentrieren, da diese für unsere Mitgliedsunternehmen immer wichtiger werden. Hier setzen wir entsprechende Themenplattformen auf und erarbeiten Handlungsempfehlungen für unsere Mitglieder.

3. Was konnten Sie auf dem Weg dorthin in den vergangenen 3 Monaten bereits konkret anstoßen?

Ganz konkret haben wir bereits einen Roundtable mit den mit der figawa verbundenen Gasverbände für einen europäischen Auftritt implementiert und Kooperationsgespräche mit DIN vertieft. Insbesondere werden wir als Beratungsleistung für unsere Mitgliedsunternehmen „Standardisation as a Service“ anbieten. Hier benötigen vor allem mittelständische Unternehmen eine professionelle Unterstützung bei zum Teil sehr komplexen internationalen Standardisierungsprozessen.

4. Die figawa vertritt als technisch-wissenschaftlicher Verband die Anlagenbauer und Produkthersteller im Gas- bzw. Energiesektor. Welches sind aktuell die dringlichsten Fragen Ihrer Mitgliedsunternehmen? Und wie begegnen Sie den aktuellen Herausforderungen?

Auf nationaler Ebene ist die Mitgestaltung des Gebäudeenergiegesetzes eine wichtige Aufgabe, insbesondere mit Blick auf die Bewertung verschiedener Heizsysteme, z. B. auch Hallenheizungen. International stellt der Brexit eine große Herausforderung dar. Hier gilt es mit Blick auf Marktzugänge und bestehende Zertifizierungen die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten. Daneben beschäftigt viele Hersteller von Anlagen und Armaturen auch die Europäische Chemikalienverordnung REACH. Hierin sind Beschränkungen und Kommunikationspflichten für bleihaltige Produkte enthalten, über die wir regelmäßig informieren, z. B. auf der ISH in Frankfurt. Darüber hinaus stellen wir Forschungsergebnisse und Studien zur Verfügung, wie z. B. die aktuelle Studie der EU zu Smart Meter Demand Side Flexibility, die im Entwurf vorliegt. Hierin wird die Notwendigkeit einer Angleichung der Kommunikationsstandards aus den Bereichen Energieversorgung, Telekommunikation und Haushaltsgeräten untersucht.

5. Die figawa arbeitet bei der Aufstellung branchenspezifischer Normen und Regelwerke sowie bei der Unternehmens- und Produktzertifizierung mit. Welche Themen und Richtlinien stehen aktuell in Deutschland bzw. Europa im Vordergrund?

Hier ist die Europäische Normungsverordnung besonders hervorzuheben, mit der sich die Kommission das Recht zur Vergabe und Kontrolle von Normungsaufträgen sichert. Die FIGAWA möchte diese im Sinne der Mitgliedsunternehmen aktiv mitgestalten. Wenn in der Vergangenheit Normung oftmals produktspezifisch und in Selbstverwaltung erfolgte, werden im europäischen Kontext überwiegend Prozesse, Kreisläufe und Systeme betrachtet. Das macht die Aufgabenstellung komplexer und erfordert einen Know-how-Transfer und verstärkte Kooperation. Hier greift unser Beratungsansatz „Standardisation as a Service“ besonders.

6. Zu den Zukunftsmärkten für die Gaswirtschaft. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Power-to-Gas-Technologie ein und welche Rolle nimmt die figawa in diesem Kontext ein?

Power-to-Gas ist ein wichtiges Thema für unsere Mitglieder. Viele Komponentenhersteller bieten hier hervorragende Produkte und erwarten von der Umsetzung zusätzliche Marktchancen. Die figawa arbeitet als enger Partner intensiv bei den DVGW-Initiativen zur Power-to-Gas-Technologie mit.

7. Welche Zukunft hat aus Ihrer Sicht die Gas-Mobilität?

Ich glaube, dass die Lösung für künftige Mobilitätskonzepte im Energiemix liegt. Hier wird sicherlich Wasserstoff als Energieträger im ÖPNV eine wichtige Rolle spielen oder LNG in der Schifffahrt zunehmend an Bedeutung gewinnen.

8. Ein großes Logistik- und Kommunikationsprojekt ist die Marktraumumstellung von L- auf H-Gas. Wie ist der aktuelle Projektstand und welche Rolle nehmen Sie als figawa ein?

Von Anfang an fungiert die figawa bei der Marktraumumstellung als Vermittler und Kommunikator für anlagenseitige Fragestellungen. Hier gibt es einen eigenen Arbeitskreis für den Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Dienstleistern, in dem Verbesserungen für den weiteren Umstellungsprozess besprochen und Lösungen angeregt werden.

9. Die figawa arbeitet themen- und projektspezifisch sehr eng mit dem DVGW zusammen. Welche Themen stehen aktuell im Vordergrund?

Mit dem DVGW haben wir eine neue Kooperationsvereinbarung verabschiedet und treffen uns in regelmäßigen Abständen auf der Führungsebene. Hier legen wir thematische Schwerpunkte und gemeinsame Projekte fest. Zudem arbeiten wir für unsere Mitglieder an angemessenen Konformitätsbewertungssystemen mit der DVGW CERT eng zusammen.

10. Stichwort „Digitalisierung“: Wie ist der aktuelle Status in der Gaswirtschaft und wie sehen die Perspektiven bzw. die nächsten Schritte aus?

Es ist auffallend, dass in der Gaswirtschaft die Digitalisierung noch nicht den Stellenwert erreicht hat, wie in anderen Wirtschaftszweigen, wie z. B. der Strom- oder Wasserwirtschaft. Wir haben das in diesem Jahr auf der Agenda. Aktuell tragen wir die Digitalisierungsaspekte aus Unternehmenssicht zusammen. Hier wird Digitalisierung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, z. B. mit Blick auf die Fertigung, den Vertrieb oder die Prozessdigitalisierung von Gas- und Wassersystemen. Auf der Mitgliederversammlung der figawa im Mai stellen wir dann die Thematik vor und werden aus technisch-wissenschaftlicher Sicht die Handlungsoptionen diskutieren und festlegen.

Herr Meyer, vielen Dank für das Gespräch.