Gaszähler auf dem Prüfstand

Die Prüfung fast aller Zählertypen ist mit dem Gashochdruck-Prüfstand möglich. Foto: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Der Gashochdruckprüfstand PasCaLab der EnBW erhielt jetzt die internationale Akkreditierung nach DIN ISO/IEC 17025.

Viele Abwicklungsprozesse in der Energiewirtschaft bauen auf präzise Messwerte. Umso wichtiger ist die regelmäßige Kontrolle von Gas-, Elektrizitäts-, Wasser- und Wärmezählern. Der Gesetzgeber gibt im § 37 des Mess- und Eichgesetzes (MessEG) vor, dass diese geeicht sein müssen – also bestimmte Fehlergrenzen einzuhalten haben. Nur dann dürfen sie im geschäftlichen Verkehr weiter Verwendung finden.

Für Gaszähler erfolgt in Deutschland die Eichung und international die Kalibrierung in Gashochdruck- Prüfständen. Der Mitte März 2014 eingeweihte Gashochdruck-Prüfstand PasCaLab der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ist nicht nur einer der wenigen Hochdruckprüfstände in Deutschland, sondern wurde am 24. Juli 2018 offiziell nach internationalem Standard, DIN ISO/ IEC 17025, als Kalibrierlabor anerkannt. Vor allem Zählerhersteller, große Industriebetriebe und Ferngas- Netzbetreiber, aber ebenso kleinere Gasversorger und Stadtwerke setzen in Deutschland auf den Gashochdruck-Prüfstand der EnBW. Aber auch andere Länder nutzen den Dienst der staatlich anerkannten Prüfstelle. „Wir haben schon jetzt Kunden aus Ländern wie Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden, aber auch aus Südkorea, Indonesien und Australien“, berichtet Prüfstellenleiter Lars Bertram.

Closed-Loop ermöglicht ganzjährige Prüfung

Der Gashochdruck- Prüfstand der EnBW erfasst die Genauigkeit des Gasflusses bei einem Druck bis zu 41 Bar. Foto: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Seit über zwanzig Jahren führt die EnBW unter der Eichdirektion Baden-Württemberg Eichungen und Kalibrierungen für Gas-Messgeräte unter Betriebsbedingungen durch. Während der alte Prüfstand einer Reihe von technischen Einschränkungen unterlag, setzt der Gashochdruck-Prüfstand PasCaLab auf einen geschlossenen Kreislauf, einen sogenannten Closed-Loop. Die noch beim Vorgänger genutzte Bypass-Leitung, die Gas aus dem Gasnetz in den Prüfkreislauf leitete und anschließend wieder in das Gasnetz einspeiste, wies vor allem jahreszeitlich bedingt einen Schwachpunkt auf: Im Sommer war eine Rückführung des entnommenen Gases in das Gasnetz aufgrund der dadurch sonst resultierenden hohen Druckschwankungen bisher nicht möglich.

Der Closed-Loop umgeht diese Problematik, da eine komplette Rückführung des Gases aus dem Prüfkreislauf entfällt. Es werden lediglich Druckanpassungen im Kreislauf jeweils nach dem Einbau des zu prüfenden Zählers – des Prüflings – und vor Beginn der Prüfung vorgenommen. Die Gasentnahme- oder zufuhr ist dabei minimal, sodass die entstehende Druckschwankung im Netz noch unterhalb der normal üblichen Volatilität liegt. Dadurch wurde eine ganzjährige Prüfung erst ermöglicht. „Wir sind unabhängig von Faktoren wie der Fahrweise angrenzender Ausspeise- oder Transportnetze, der Tageszeit und klimatischer Bedingungen“, kommentiert dazu Bertram. Zudem arbeite PasCaLab schneller und verbrauche durch seine hochmoderne Steuerung weniger Energie als sein Vorgänger.

Prüfungsrelevante Parameter variierbar

Das Herzstück der Anlage bildet ein Gebläse (1) mit einer Anschlussleistung von 500 Kilowatt. Dieses treibt das Gas mit bis zu 41 Bar im Prüfkreislauf. Für eine konstante Temperatur während der Eichung oder Kalibrierung sorgt ein im Gaskreislauf befindlicher Wärmetauscher, bestehend aus einem Bündel von über 900 Rohren. Vier Vergleichszähler, auch Gebrauchsnormale genannt, messen den Gasdurchfluss. Die Menge kann dabei, je nach Normale, zwischen 1,6 und 6.500 Kubikmetern pro Stunde liegen. Neben der Durchflussmenge werden zudem auch Druck und Temperatur des Gases gemessen. Beide Faktoren beeinflussen entscheidend den Energiewert des Rohstoffs.

Korrespondierend zur Durchflussmenge der Prüflinge wird das Gas durch eine der vier Gebrauchsnormalen (2) geleitet, um Vergleichswerte des Durchflusses zu erhalten. Im Anschluss fließt das Gas durch die Prüflingsstrecke (3) mit den bis zu zwei zu prüfenden Zählern, um deren Durchfluss zu messen. Der so von den Prüflingen erhaltene Messwert wird dann mit dem der Gebrauchsnormalen verglichen und so die Einhaltung von Fehlergrenzen bei den Messgeräten bestimmt.

Die Prüflingsstrecke kann je nach Durchmesser der Prüflinge getauscht werden. Dabei sind Nennweiten zwischen DN 50 und DN 300 (2´´-12´´) möglich. Zudem kommen abhängig von den zu prüfenden Zählern verschiedene Druckstufen (PN 10, PN 16, PN 25, PN 40, ANSI RF 150, ANSI RF 300, ANSI RF 600) zum Einsatz. Durch die Prüfung von bis zu zwei Zählern in Reihe ist es möglich, eventuelle Installationseffekte zu berücksichtigen.

Mess- und Regelgenauigkeit doppelt sichergestellt

Der Gashochdruck-Prüfstand kann bei fast allen Zählertypen genutzt werden – das Verfahren bleibt dabei immer gleich. Neben Großzählern von Netzbetreibern, Übergabestationen oder großen Industriekunden können in der Anlage ebenso Turbinenradzähler, Drehkolbenzähler, Ultraschallzähler, Corioliszähler sowie Wirbelstromzähler geprüft werden. Die innere Messgenauigkeit des Prüfstands wird durch die der Durchflussmenge des Prüflings entsprechenden Wahl der Gebrauchsnormalen gewährleistet.

Modell des Gashochdruck-Prüfstands. Foto: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Darüber hinaus unterliegt er der Überwachung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Diese führt die Oberaufsicht in puncto Mess- und Regelgenauigkeit. Die Gebrauchsnormalen des Gashochdruck-Prüfstands werden in regelmäßigen Abständen mit der deutschen Normalen der PTB, die als Vergleichsnormale für alle Gashochdruck-Prüfstände in Deutschland fungiert, abgeglichen und kalibriert. Auf diese Weise wird die Richtigkeit der Anlage sichergestellt.

Im Vorfeld der internationalen Anerkennung des Gashochdruck-Prüfstands erfolgte zudem eine eingehende Untersuchung der Organisation sowie der Messtechnik durch die Deutsche Akkreditierungsgesellschaft (DAkkS). Mit der erfolgreichen Prüfung darf PasCaLab jetzt das DAkkS-Logo verwenden, das die Qualität der Anlage bestätigt. Mit der Akkreditierungsurkunde D-K-14490-03- 00 für das Kalibrierlabor in der Hand, setzt Prüfstellenleiter Bertram jetzt auf neue Kunden wie Gasförderanlagen, Speicher oder LNG-Terminals in Europa und Übersee.

Kontakt: EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Stefan Engelbert, 70567 Stuttgart, Tel. +49 721 63-00, S.Engelbert@netze-bw.de

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