gat/wat 2018 vom 23. bis 25. Oktober in Berlin: Gas für den Klimaschutz

Die gasfachliche Aussprachetagung, kurz gat, ist eine etablierte Tagung der Gas-Branche und weithin in Deutschland bekannt. Doch dieses Jahr gibt es einige Neuerungen, die sowohl das formale Konzept, den Ausstellungsort als auch die thematische Orientierung betreffen. Dieses Jahr lohnt es sich also besonders, sich einmal intensiver mit der DVGW-Veranstaltung zu beschäftigen.

Alleine der Titel des Keynote-Vortrags lässt schon aufhorchen: Wie sieht die Vision einer CO2-armen Energieversorgung aus Sicht eines russischen Erdgasproduzenten aus? Diese Frage behandelt Dr. Oleg Aksyutin, Mitglied des Gazprom-Vorstands. Ein fossiler Energieträger, der zur CO2-Reduzierung beitragen soll und das noch aus Sicht eines Gaslieferanten? Man darf also gespannt sein. Sicher jedoch ist, dass das Thema Gas mehr und mehr vor dem Hintergrund des Klimaschutzes gesehen werden muss.

Auch Gas wird Grün

Im Zuge von Power-to-Hydrogen kann man sogar zu Recht von grünem Gas sprechen, denn es stammt in der Regel ausnahmslos aus regenerativen Quellen. Power-to-Hydrogen soll die zunehmend fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne wirtschaftlich effizient ausbalancieren. Auch für den Wärmemarkt, den Verkehrssektor und – im Falle einer nochmaligen Rückwandlung – den Strommarkt, ist dies hochgradig interessant. Hinzu kommt noch die Kombination mit Brennstoffzellen.

Die Gasinfrastruktur muss vor diesem Hintergrund quasi zwangsläufig in neuem Licht betrachtet werden, denn die Transportleitungen werden plötzlich zur Alternative der Stromtrassen, deren Bau bekanntlich heiß umstritten ist. Der DVGW nutzt diesen thematischen Rückenwind natürlich für die etablierte Veranstaltung aus: Allein der Blick auf das Kongressprogramm zeigt deutlich, wie sehr dies auch auf den Gängen und Gesprächen in Berlin präsent sein wird.

Schematischer Plan des neuen Dialogforums, dass erstmalig mitten im Ausstellungsbereich die gesamten Messetage über bespielt wird. Foto: DVGW

Apropos Rückenwind. Spannend dürften auch die klimapolitischen Entscheidungen sein, die rund um die Messe auf globaler politischer Bühne diskutiert werden. Derzeit konfiguriert die EU den gesetzlichen Rahmen für eine sichere, klimafreundliche und bezahlbare Energieversorgung der Mitgliedsstaaten. Der Anteil sauberer Energiequellen soll in der EU bis 2030 auf 32 Prozent gegenüber 1990 steigen. Und damit wird auch Gas immer stärker gepusht.

Vor allem Marco Alverà, Präsident von GasNaturally, einem Gemeinschaftsunternehmen der europäischen Gasindustrie, hat sich politisch bereits in Brüssel stark exponiert. In einer Studie der Initiative „Gas for Climate” von Anfang des Jahres verweist er dabei auf die Chance, die Gas für die beschlossenen Klimaziele mitbringt – und zwar auch unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte. Die Themen werden auch zur 24. UN-Klimakonferenz (COP24), die im Dezember 2018 in Katowice (Polen) stattfindet, wieder stark in die Öffentlichkeit gespült.

Gleichzeitig erarbeitet in Deutschland derzeit auch die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ einen Plan, um die Kohleverstromung hierzulande schrittweise zu reduzieren und schließlich zu beenden. Erste strukturpolitische Vorschläge sollen bis Ende Oktober 2018 vorliegen.

Berlin und Köln im Wechsel

Im Zuge dieser neuen Rolle von Gas vor dem Hintergrund des Klimawandels verändert sich auch die Messe. So ist es kein Zufall, dass die gat/wat 2018 erstmals in Berlin stattfindet. Der DVGW hat in den letzten Jahren ein Standortkonzept entwickelt, in dem sich Köln (2017 erstmals) und Berlin als Veranstaltungsort in den nächsten Jahren abwechseln. Für Berlin spricht die Nähe zum politischen Raum, für Köln das starke wirtschaftliche Umland. Der Messecube in Berlin soll für die Veranstaltung einen optimal geeigneten Rahmen bilden.

Catering wieder in den Messehallen

Was braucht die Energiewende mehr als den Dialog. Dies bildet auch die gat/wat 2018 ab. Erstmals gibt es im Mittelpunkt der Ausstellung ein Dialogkonzept, das die gesamte Laufzeit mit einem interessanten Vortragsprogramm bespielen wird. Somit soll auch mehr inhaltliches Leben und damit mehr Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeit in den Ausstellungsbereich integriert werden. In dem Zuge hat der DVGW auch an die kulinarische Versorgung gedacht. Denn im Gegensatz zum letzten Jahr beinhaltet das Ticket für den Ausstellungsbereich auch einen Cateringanteil. Beim Networken braucht also niemand mehr zu hungern.

„Smartes“ Matchmaking

Last but not least wird es auch ein STADTWERKEFORUM geben. Am Nachmittag des Innovation Days (erster Tag) finden zwei parallele Sessions mit Matchmaking statt, jeweils mit Themenfokus auf Gas beziehungsweise Wasser. Von 16:30 bis 18:30 Uhr treffen sich Versorger und Innovatoren zu einem moderierten Erfahrungsaustausch. Eine Anmeldung dazu ist Pflicht. Das Gas-Forum hat das Thema „Regionale Wertschöpfung durch Innovation“ und legt seinen Schwerpunkt auf verdichtete Siedlungsstrukturen. Schlagworte sind etwa Connected City, Smart Building oder Smart Lighting. Die Geschäftsführer der Stadtwerke Arnsberg und Emden stellen dort ihre Erfahrungen zur vernetzen Stadt vor.

www.gat-wat.de