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Kein Stillstand: Biogas-Optimierung in der Praxis mit e2m

30.10.2019 – Die Biogas-Branche ist deutlich im Umbruch: Wie der Fachverband Biogas im Juli mitteilte, verharrte der Neubau von Biogasanlagen zwar zuletzt auf einem niedrigen Niveau, gleichzeitig verdeutlicht der Anstieg der installierten elektrischen Leistung, dass sich die Branche auf den zukünftigen Strommarkt einstellt und in Anlagenerneuerung und Flexibilisierung investiert. Doch auch nach der Flexibilisierung sollten die Betreiber nicht auf halber Strecke stehen bleiben – sagt zumindest die Leipziger Energy2market GmbH (e2m), die sich unter anderem auf den Handel mit Erneuerbaren Energien in Europa spezialisiert hat. Vielmehr sollten Betreiber, so e2m, das Potenzial ihrer Anlagen mit zusätzlicher Fahrplanoptimierung in alle Richtungen ausschöpfen.

„Das Umdenken erfordert Mut, lohnt sich aber für den Betreiber, uns und die Energiewende“, sagt Klaus Anduschus, Leiter Vertrieb Landwirtschaft bei der e2m. Besonders in seiner netz- und systemdienlichen Form werde Biogas eine zentrale Rolle im Energiemix in Deutschland spielen. Um dieser Rolle gerecht werden zu können, müssen Biogasanlagen langfristig ihre Flexibilität optimal einsetzen. Hier hilft die e2m mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich der Anlagenoptimierung: In den vergangenen Jahren hat das Leipziger Unternehmen über 100 Biogasanlagen bei der Optimierung begleitet. „Das ist ein ständiger Prozess, der nicht nur zur Wirtschaftlichkeit der Anlage beiträgt, sondern auch im größeren Kontext Nachhaltigkeit fördert“, berichtet Anduschus. Insgesamt hat die e2m rund 700 flexibilisierte Anlagen im Bestand.

Die Biogasanlage von Eberhard Hollmann fährt nach einem optimierten Fahrplan der e2m. Foto: Eberhard Hollmann/e2m
Die Biogasanlage von Eberhard Hollmann fährt nach einem optimierten Fahrplan der e2m. Foto: Florian Hollmann/e2m

Flexibel und gut integriert

Eberhard Hollmann ist einer der Betreiber dieser optimierten Anlagen. Seine Biogasanlage, die er 2007 in Ense-Bittingen in Betrieb nahm, ist flexibel und gut integriert in den Betrieb. Als einer der ersten stellte Hollmann 2014 seine Nawaro-Anlage auf eine bedarfsorientierte Stromproduktion um. Als Flexibilisierer der ersten Stunde musste er den Behörden die neue Betriebsweise noch erklären, um eine Genehmigung zu erhalten. Seine Anlage produziert im Schnitt 470 kW Strom. Die dabei entstehende Wärme kann für den Betrieb genutzt werden, während der Gasspeicher die Stillstandszeiten überbrückt.

„Dass es mit der Biogasanlage kein Stehenbleiben gibt, war für mich von Anfang an klar. Es gibt immer etwas, das sich noch optimieren lässt“, sagt Hollmann. So fand der Betreiber gemeinsam mit e2m weitere Stellschrauben zur Optimierung. Anhand des Gasspeichervolumens und nach den Rahmenbedingungen der Anlage erstellt die e2m nun einen optimierten Fahrplan, der die Laufzeiten mit den besten Börsenpreisen verschneidet. Die e2m ermittelt also, zu welchen Zeiten die Anlage nach ihren individuellen Bedingungen produzieren kann und welche Stunden davon die profitabelsten für den Betreiber sind. Der Fahrplan wird als Vorschlag in das Kundenportal eingespeist, wo der Betreiber noch weitere Anpassungen vornehmen kann. Nach diesem finalen Fahrplan steuert e2m die Biogasanlagen dann automatisch.

Keine Einspeisung am Wochenende

Die Flexibilität der Anlagen ausreichend zu nutzen ist also wichtig, gleichzeitig machen Teillast-Fahrweisen und zu viele Starts aus betriebswirtschaftlicher Sicht keinen Sinn. Aus den Erfahrungswerten der e2m ist oftmals die Verschiebung der gesamten Leistung in zwei Volllast-Blöcke an den Wochentagen mit einer größtmöglichen Reduzierung der Einspeisung am Wochenende am lohnenswertesten. Dabei werden diese Blöcke möglichst mit den 4-Stunden-Vermarktungsscheiben der Regelenergievermarktung kombiniert, um auch in diesem Markt Geld zu verdienen.

Auch bei Betreiber Hollmann startet der große Anlagenmotor nun nur zweimal am Tag, während der kleine für Notfälle bereitsteht. Für Hollmann lohnt sich die Arbeitseinsparung für die Planung und Steuerung der Biogasanlagen und die Erlöse sind auf ein gutes Niveau gestiegen – auch weil in der Regelenergie inzwischen wieder Geld verdient werden kann. „Die Arbeitserleichterung bei der Prognose und Steuerung ist ein gutes Argument für viele Betreiber“, weiß Anduschus. „Am wichtigsten für viele ist aber, dass sie selbst weiterhin die Kontrolle über die Anlage behalten. Bei uns ist der Fahrplan ein bestmöglicher Vorschlag, der jederzeit noch durch den Betreiber angepasst werden kann. (jr)

www.e2m.energy