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ptc-Macher! Drei Fragen an Dr. Klaus Ritter

Seit 14 Jahren hat die ptc – Pipeline Technology Conference – ihren festen Termin im Veranstaltungskalender. Das Wachstum der letzten Jahre ist beachtlich und gibt den Veranstaltern Recht für ihre Entscheidungen. CH4 sprach mit dem Präsidenten und Veranstalter der ptc, Dr. Klaus Ritter.

CH4: Die ptc ist eine in den letzten Jahren sehr beachtlich gewachsene Veranstaltung, die den internationalen Markt der Pipeline- Technologie abbildet. Die Veranstaltung fand allerdings bisher stets in Deutschland als englischsprachiges Event statt. Der deutsche Markt für Pipeline-Technologie gilt jedoch als weitgehend gesättigt, wie Sie selbst in Ihren Pressemitteilungen herausstellen. Wie sehen Sie diesen Grundkonflikt vor dem Hintergrund der zukünftigen Entwicklungen des Marktes?

Dr. Klaus Ritter: Ja, Sie haben recht, die Pipeline Technology Conference, ptc, habe ich 2006 im Rahmen der Hannover Messe gestartet. Dort ist sie auch bis 2011 geblieben. Dabei lag die Anzahl der Teilnehmer zwischen 100 und 200 und die Anzahl der Aussteller zwischen 10 und 20. Als wir uns dann 2009 verselbständigt haben, wuchs die Zahl von Teilnehmern und Ausstellern kontinuierlich. Einen besonderen Sprung machte die ptc, als wir sie 2014 nach Berlin verlegten. Seitdem liegt das Wachstum bei Teilnehmern und Ausstellern jährlich zwischen 10 und 25 Prozent. Zur kommenden ptc erwarten wir über 800 Teilnehmer und über 80 Aussteller aus 55 Nationen. Anwesend werden sein: Betreiber, Produzenten, Planer und Dienstleister.

Dr. Klaus Ritter in seiner Lieblingsrolle: Als Redner auf dem Podium der ptc. Foto: EITEP Institute / ptc

Man kann heute sagen, dass sich die internationale Pipeline-Welt zur ptc in Berlin trifft. Zwar zählen IPC in Calgary und PPIM in Houston mehr Teilnehmer und Aussteller als die ptc in Berlin, aber diese kommen im Wesentlichen aus der Region, denn beide Veranstaltungen liegen in den Zentren der Öl- und Gasindustrie in Nordamerika. Deren Teilnehmer werden meist von den Unternehmen der Region geschickt. In Berlin sind die Top-Unternehmen der Zulieferer und Serviceindustrie vertreten (aus Nordamerika und Westeuropa) aber auch Betreiber aus der ganzen Welt. Insofern ist die ptc bezüglich der reinen Größe die Nr. 3 weltweit, aber bezüglich der Internationalität weltweit die Nr. 1. Woher kommt das? Deutsche Unternehmen – auch die Pipeline-Betreiber – genießen weltweit ein großes Ansehen. Dies betrifft insbesondere die Hauptgrundlagen ihres Schaffens: Sicherheit – Zuverlässigkeit – Wirtschaftlichkeit. Hier haben wir kürzlich in einer weltweit beachteten Sonderausgabe unseres Pipeline Technology Journals, ptj, die Grundlagen herausgearbeitet und haben darstellen können, dass in Deutschland die sichersten Pipelines arbeiten.

Staaten, die mit ihren Pipeline-Unternehmen Öl und Gas zu den Verbrauchermärkten transportieren, haben in den zurückliegenden 100 Jahren ihre Lagerstätten nicht ausschöpfen können. Inzwischen tun sie es, um den Lebensstandard ihrer zumeist armen Bevölkerung zu steigern und sie versuchen dabei Technologie und Now-how zu nutzen, das up to date ist und vor allem einen sicheren Betrieb verspricht – und dies finden sie auf der Plattform der ptc, die mit viel Engagement von Betreibern deutscher Hochdruck-Pipelines bestückt ist. Deshalb ist Berlin der richtige Platz – auch wenn Sie recht haben, dass der Markt nicht hier in Europa, sondern eher in Asien, Afrika und Südamerika ist. Zur kommenden ptc tragen wir diesen Überlegungen dadurch Rechnung, dass wir ganz bewußt auch Fragestellungen aus diesen Regionen aufgreifen und zwar mit den Panels „Eurasiaforum“ und „Illegales Anzapfen von Pipelines“. Das sich jetzt abzeichnende Engagement aus der osteuropäischen/asiatischen Szene (Transneft, Gazprom, IAOT, TANAP usw.) sowie Südamerika und Afrika (Petrobras, Pemex, Shell Nigeria usw.) lässt interessante Vorträge, Diskussionen und Gespräche erwarten.

Alle Welt spricht von den Themen Power2Gas und Sektorenkopplung. Die Umstellung vorhandener Netze zur weiteren Nutzung z.B. durch Wasserstoff ist dabei ein wichtiges Thema. In vielen Regionen der Welt geht es aber immer noch um die Versorgung mit Primärenergie. Hier braucht man die Netze zur Basisversorgung. Außerdem konnte bisher der Beweis für die großtechnische Wirtschaftlichkeit von Power2Gas in den diversen Pilotprojekten selbst in einem Hightechland wie Deutschland noch nicht erfolgreich geführt werden. Wie sehen Sie die Entwicklung von Power2Gas im globalen Zusammenhang?

Power2Gas und Sektorenkopplung werden sich in Deutschland durchsetzen – denn die Vernunft folgt der Ökonomie. Wir haben in Deutschland die besten Voraussetzungen, um diese beiden Ziele auch ökonomisch verkraftbar durchsetzen zu können. Es gibt nirgendwo ein so dichtes Gastransport und -verteilnetz wie in Deutschland und deshalb wird man diesen vernünftigen Schritten auch nicht überall so leichten Herzens folgen können. Aber hier besteht eine Möglichkeit, eine Vordenker- und Vorreiterrolle zu übernehmen.

Lange genug haben wir ja auch darüber nachgedacht, denn die ersten Überlegungen sind nicht erst mit der neuerlichen Energiewende angestellt worden. Bereits nach dem ersten Ölpreisschock im Jahr 1973 ist im Zuge des Energiesicherungsgesetzes eine lebhafte Forschungs- und Entwicklungs-„Maschinerie“ initiiert worden, die sich schon damals mit der Intensivierung der Nutzung von regenerativen Energien (Wind, Solar, Bio) und insbesondere auch mit der Nutzung der Wasserstofftechnologie beschäftigte.

Alles wurde koordiniert durch einen dem BMFT (damals Bundesministerium für Forschung und Technologie) nachgeschalteten Projektträger für Nichtnukleare Energieforschung, der an der Kernforschungsanlage in Jülich, bei Aachen, angesiedelt war. Vom Prinzip her sind alle diese Technologien zur Nutzung regenerativer Energien seit damals entwickelt, nur die Wirtschaftlichkeit wurde von Anfang an in Frage gestellt – aber heute wissen wir ja sehr genau: Der Ausstieg aus der Kernenergie sowie aus Braunkohle, Steinkohle und Öl kann nicht zum Null-Tarif erreicht werden. Darüber hinaus, wer soll diese Wende sonst schaffen, wenn nicht wir, das Hightech-Land Deutschland.

Das Gastransport und -verteilnetz hat deshalb eine Chance für Power2Gas, weil das Netz so gut in Schuss ist und quasi jeden größeren Ort in Deutschland erreicht. Dass der Zustand so gut ist – das wissen wir alle – haben wir letztendlich unserer Akribie auf der Basis des DVGW zu verdanken, der durch seine Gremien das Gasnetz so gut gehalten hat, dass der Vorstandsvorsitzende des DVGW, Dr. Gerald Linke, auf unserer letzten ptc bereits über „Pipeline Safety … for a second life“ im Hinblick auf die Nutzung für den Wasserstofftransport gesprochen hat.

Das ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass wir uns auf der ptc mit der deutschen Energiewende beschäftigen. Die erste Keynote kam bereits 2011 vom damaligen Vizepräsidenten des DVGW, Dr. Jürgen Lenz, zum Thema „Power to Gas, Innovation for the Gas Infrastructure“. Dr. Lenz hatte ausgeführt, dass die innovativen Veränderungen mit vielen dezentralen Nutzungen beim Verbraucher liegen werden. Danach haben wir die Energiewende noch weitere zwei Mal in Keynote Speeches thematisiert.

Sie haben nach unseren Informationen vor Kurzem Ihren 75. Geburtstag gefeiert, zu dem wir im Übrigen noch herzlich gratulieren. Wie ja in der Branche bekannt ist, gelten Sie als der Vater der ptc und in Person als Garant für die erfolgreiche internationale Kommunikation in Ihrem Netzwerk. Wie sehen Sie persönlich die Zukunft der ptc?

Das Haus ptc ist solide und schön gebaut, insofern habe ich keine Bange, dass es mit dem gleichen Elan und Erfolg wie bisher weitergeht.

Garanten dafür sind
1. das junge Team mit Dennis Fandrich an der Spitze und
2. ein Advisory Committee, das seit 2 Jahren von Heinz Watzka, vormals OGE, und Dirk Strack, TAL, geführt wird. Auch ich stehe beratend weiterhin zur Verfügung. Aber ich werde garantiert nicht nur Halleluja von der „Ruhestandswolke“ rufen. (pk)

Kontakt: EITEP – Euro Institute for Information and Technology Transfer in Environmental Protection GmbH., 30177 Hannover, ptc@eitep.de