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Sektorenkopplung auf Systemebene

Die Open Grid Europe und Amprion planen im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts „hybridge” die Errichtung einer PtG-Anlage mit 100 Megawatt Leistung.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion geht gemeinsam mit der Open Grid Europe (OGE) die Sektorenkopplung auf Systemebene in Deutschland an. Im Rahmen des Projekts „hybridge“ planen die beiden Unternehmen im Landkreis Emsland einen Elektrolyseur in der 100-Megawatt- Klasse zu errichten, um damit langfristig eine Wasserstoffinfrastruktur in der Region aufbauen zu können. „Wir sind mit der Planung für hybridge so weit, dass wir in die Genehmigungsphase eintreten können”, gibt Dr. Thomas Hüwener, Mitglied der OGE-Geschäftsführung, einen Einblick in den aktuellen Planungsstand des Projekts. Für den endgültigen Startschuss „brauchen wir noch das ‚Go‘ aus der Politik”, so der Geschäftsführer. Dieses müsse nun schnell kommen, damit die Sektorenkopplung auf Systemebene auch einen Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten könne.

Kosten von 150 Millionen Euro

Dr. Thomas Hüwener (l.), Mitglied der OGE-Geschäftsführung und Dr. Klaus Kleinekorte, Geschäftsführer von Amprion, planen die Errichtung eines 100-MW-Elektrolyseurs im Emsland. Foto: Open Grid Europe GmbH

Den aus ihrer Sicht optimalen Standort für die Power-to-Gas (PtG)-Anlage in dieser Größenordnung haben die Projektpartner an einem Schnittpunkt zwischen dem Amprionund dem OGE-Netz in Lingen im Emsland gefunden. Hier wollen die beiden Unternehmen neben dem 100-Megawatt-Elektrolyseur eine bestehende OGE-Pipeline für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff weiterentwickeln. Die Kosten für das Vorhaben schätzen die Partner eigenen Angaben zufolge auf etwa 150 Millionen Euro.

„In Lingen haben wir optimale Voraussetzungen, um ein Wasserstoffnetz aufzubauen. Der Wasserstoff kann von Unternehmen direkt genutzt werden. Außerdem befindet sich eine Wasserstofftank- und -verladestation in der Region”, erläutert Hüwener. „Auch die in der Region vorhandenen Erdgasspeicher können perspektivisch auf Wasserstoff umgewidmet werden. Künftig werden außerdem weitere Teile der Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff ins Ruhrgebiet und darüber hinaus umgebaut. Auch können wir Wasserstoff in geringen Mengen zumischen oder nach Umwandlung in Methan direkt ins Erdgasnetz einspeisen.”

Diskriminierungsfreier Zugang

Das Grundkonzept der Sektorenkopplung auf Systemebene von Amprion und OGE sieht dabei vor, die geplante Infrastruktur zur Kopplung ihrer Netze allen Marktteilnehmern diskriminierungsfrei – Stichwort: Third Party Access – zur Verfügung zu stellen. Die über Gas- und Stromleitungen transportierte Energie ist dabei zu keiner Zeit im Eigentum der Netzbetreiber. Auch werden die Projektpartner die begrenzte „Brückenkapazität“ zwischen Strom- und Gasinfrastruktur Händlern und Direktabnehmern in Auktionen anbieten. Die Erlöse daraus werden den Kosten gegengerechnet und entlasten somit den Netzkunden. Ein solches Prinzip ist bei grenzüberschreitenden Kuppelleitungen im Stromsystem und in Gastransportkapazitäten bereits seit Jahren europaweit etabliert.

„Wir wollen diese Technologie für die deutsche Volkswirtschaft erfolgreich im großtechnischen Maßstab realisieren. Dafür haben wir alles, was wir brauchen: Ein technisches Konzept, einen geeigneten Standort und die Nutzungsmöglichkeiten für den Wasserstoff. Wir können anfangen”, kommentiert OGE-Geschäftsführer Hüwener. Sein Kollege, Dr. Klaus Kleinekorte, technischer Geschäftsführer von Amprion, fordert eine Reaktion von der Politik, um mit dem Projekt starten zu können: „Wir brauchen nun die regulatorische Möglichkeit, das Projekt umzusetzen. Hier ist nun die Politik am Zug. Wenn die Weichen jetzt gestellt werden, kann die Anlage 2023 bereits in Betrieb gehen.” (jr)

Kontakt: Open Grid Europe GmbH, Alexander Land, 45141 Essen, Tel. +49 (0) 201 3642 12620, alexander.land@open-grid-europe.com