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Weniger CO2 im Verkehr: Schweizer Unternehmen bauen Wasserstofftankstellen

11.11.2019

Die geringe Reichweite und mehrstündige Ladezeiten stellen die Elektromobilität weiterhin vor Herausforderungen. Als eine Alternative gilt die Nutzung von Wasserstoff als Treibstoff bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Doch um Wasserstoff effizient nutzen zu können, ist ein flächendeckendes Tankstellennetzwerk notwendig. In der Schweiz hat sich daher ein Förderverein, bestehend aus mehreren Unternehmen wie dem Handelskonzern Coop, zum Ziel gesetzt, die Wasserstofftankstellen-Infrastruktur auszubauen. Parallel haben teilnehmende Betriebe bereits angefangen, ihre Fuhrparks auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge umzustellen, wie Friedrich Haas, Geschäftsführer der Haas Engineering GmbH & Co. KG, berichtet, obwohl der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie derzeit wesentlich verbreiteter ist, als in der Mobilität. „Während der Einsatz in der Industrie bereits zum Alltag gehört, wird Wasserstoff in der Mobilität noch skeptisch betrachtet. Ein Grund dafür ist unter anderem das lückenhafte Tankstellennetz“, erklärt Haas.

Gründung des Fördervereins für ein flächendeckendes Tankstellennetz

Auch in der Schweiz spielte ihm zufolge die Nutzung von Wasserstoff in der Mobilität nur eine unbedeutende Rolle, bis die Coop Genossenschaft, ein dort ansässiger, europaweit tätiger Handelskonzern, im Jahr 2008 beschloss, bis spätestens 2023 CO2-neutral zu werden. Bei der Suche nach einer Alternative stieß Ackermann 2013 auf die Wasserstofftechnologie, die in der Schweiz bis dato kaum praxiserprobt war. Um gemeinsam den Aufbau eines flächendeckenden Wasserstoffnetzes voranzutreiben sowie in Kooperation mit den zuständigen Behörden die notwendigen regulatorischen Grundlagen zu erarbeiten, führte Coop verschiedene Partner und Forschungsanstalten zusammen. Aus diesen Bemühungen heraus entstand im November 2016 die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz, die von einem nah gelegenen Wasserkraftwerk versorgt wird. 2018 folgte dann die Gründung des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz mit heute 17 Mitgliedsunternehmen, dem Ackermann als Präsident vorsteht. Zu den am Projekt beteiligten Unternehmen zählt auch Haas Engineering. Ziel des Fördervereins ist es nun, bis 2023 ein flächendeckendes Wasserstofftankstellen-Netz in der Schweiz aufzubauen.

Um die Auslastung der Tankstellen zu gewährleisten, arbeitet der Förderverein mit H2 Energy zusammen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen H2 Energy und Hyundai Motor werden bis 2023 circa 1.000 wasserstoffbetriebene Lastkraftwagen an Mitgliedsunternehmen in der Schweiz geliefert. Foto: Coop Genossenschaft

„Die Umrüstung des Fuhrparks auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge lohnt sich nur, wenn die Infrastruktur flächendeckend gegeben ist. Gleichzeitig rentiert sich ein solches Tankstellennetz aber auch nur, wenn wiederum genügend Wasserstofffahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind“, stellt Ackermann heraus. Eine Hürde, die der Förderverein laut Ackermann etwa zu meistern hatte, war ein Mangel an Lastkraftwagen, die den Leistungsanforderungen der Unternehmen entsprachen. Dafür arbeitete der Verein mit der H2 Energy AG zusammen, welche wiederum eine Kooperation mit Hyundai Motor einging. Im Rahmen dieser Kooperation wird der südkoreanische Automobilhersteller bis 2023 circa 1.000 wasserstoffbetriebene Lastkraftwagen der 34-Tonnen-Klasse an die Mitgliedsunternehmen in der Schweiz liefern.

Auch ein Modell für Deutschland?

Für Deutschland sieht Haas Wasserstoff ebenfalls als Alternative in der Mobilität, stellt aber gleichzeitig Unterschiede zu den Rahmenbedingungen in der Schweiz fest: „Deutschland und die Schweiz unterscheiden sich vor allem in steuerlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Die CO2-freie Mobilität wird in der Schweiz vorteilhafter behandelt als hierzulande. Außerdem sind die Genehmigungsverfahren für die notwendigen Anlagen kürzer, was die Umsetzung der Projekte vereinfacht.“ In den vergangenen Monaten sei jedoch ein zunehmendes Interesse der Öffentlichkeit an der Brennstoffzellenthematik zu bemerken. „Wenn diese Stimmung anhält und langfristig die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden, stehen die Chancen für ein Projekt wie in der Schweiz durchaus gut. Dies setzt aber voraus, dass sich einerseits Investoren finden, um die notwendigen Technologien voranzutreiben, und andererseits Unternehmen bereitstehen, die gewillt sind, solche Projekte zu unterstützen und mitzutragen“, resümiert Haas. (vb)

www.h2mobilitaet.ch

www.haasengineering.de