Wirtschaftsfaktor Leitungsauskunft

Foto: Fotolia

Der Schlüssel zur Modernisierung

Viele Jahre galt das Thema Leitungsauskunft als ein dem Grunde nach gelöster Problembereich in der Welt der Leitungsbetreiber. Die meisten Betreiber hatten sich „ihre“ spezielle Lösung soweit eingerichtet, dass damit der Erfüllung der gesetzlichen Mindestanforderungen, die durch den Umstand der sogenannten Verkehrssicherungspflicht gemäß BGB entstehen, nichts im Wege stand. Man hatte sich arrangiert und trotz des permanenten Grummelns in der Magengegend bezüglich der vielen offenbar nicht gestellten Anfragen und der permanent steigenden Zahl unerlaubter Trasseneingriffe schien alles gut. Dass diese Einschätzung falsch war, zeigte die Gründung der BIL eG am 15. Juni 2015, als 17 Großleitungsbetreiber aus den Sparten Gas, Öl und Chemie ein neues Portal für die bundesweite Leitungsrecherche aus der Taufe hoben. Angetrieben vom allgegenwärtigen Thema Sicherheit in der Leitungsbetreiberwelt war es erklärtes Ziel, den Anfragenden ein Portal zur Leitungsauskunft zur Verfügung zu stellen, das alle modernen Anforderungen zeitgemäßer Kommunikation erfüllt und dabei die Prozesse der Auskunftseinholung an der entscheidenden Stelle vollständig digitalisiert gestaltet. Das Ergebnis dieser Initiative ist das, bereits nach weniger als drei Jahren operativen Betriebs, nach eigenen Aussagen zur wichtigsten Einrichtung für die Leitungsauskunft in Deutschland gereifte BIL Portal. Mehr als 100.000 Leitungsanfragen werden nun schon im Jahreszyklus nach Mitteilung der Betreiber über das Portal abgewickelt. „Es kursieren im Markt unterschiedliche Zahlen und Zählweisen von Leitungsanfragen“, erläutert Jens Focke, Vorstand der BIL eG. „Für uns ist jedoch wichtig als faire Genossenschaft, mit maximaler Transparenz zu agieren und deshalb liegt es uns fern, die Anfragezahlen künstlich durch kreative Zählweisen nach oben zu treiben. Bei uns entspricht jede Anfrage konsequent nur einem Bauprojekt bzw. einem Planungsvorhaben. Über die Differenzierung zwischen Bauprojekt und Planungsprojekt erfährt der Betreiber frühzeitig von geplanten Bauvorhaben in seinem Netzgebiet und dies stellt bereits einen erheblichen Sicherheitsgewinn dar“, so der BIL-Chef. Doch BIL ist zwischenzeitlich weit mehr als einfach nur eine neue Form der Leitungsauskunft.

Foto: Fotolia

Digitalisierung und Datenschutz

Laut der BIL-Gründer werden im Bundesgebiet gegenwärtig etwa drei Bauanfragen pro Quadratkilometer beziehungsweise 2,5 Anfragen pro Leitungskilometer gestellt. Diese Zahl variiert zwischen bauintensiven Großstadtrandgebieten und ländlichen Regionen. Besonders letztere Regionen geraten aber dieser Tage in den Fokus des Breitbandausbaus, wodurch die dortigen Bauaktivitäten und Anfragen wachsen. Da die Prüfung einer Anfrage und deren Beantwortung als Nullbescheid zwischen 15 und 30 Minuten Arbeit verschlingt, sollten bei Betreibern nur vollständig digitale Anfragen eingehen, für die der Leitungsbetreiber auch tatsächlich zuständig ist. BIL liefert den Leitungsbetreibern alle Anfragedetails digital direkt in ihre IT-Infrastruktur per Schnittstelle oder per Direktabruf und schaltet bei der Prüfung der Anfrage eine automatisierte Zuständigkeitsprüfung vor. Alleine daraus können sich im Einzelfall Einsparpotenziale in fünfstelliger monetärer Größenordnung ergeben, da bis zu 85 Prozent der Anfragen bei einigen Leitungsbetreibern nachweislich als nicht zuständig von diesem ferngehalten und nicht mehr beantwortet werden müssen. Selbst bei lokal agierenden Unternehmen mit hoher Abdeckung in der Fläche, verbleiben Randbereiche und eine hohe Dynamik von erworbenen und abgegebenen Konzessionsflächen oder Unternehmensbeteiligungen, die zu nicht relevanten Anfragen führen. Die Reduktion von nicht relevanten Anfragen erlaubt die Konzentration auf die Beantwortung der relevanten Anfragen und beschleunigt den Auskunftsprozess. Auch Anfragende sind spätestens seit dem 25. Mai 2018 mit Gültigkeit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kritischer hinsichtlich der Speicherung personenbezogener Daten und deren Löschung nach bestimmten Zeiträumen geworden. Der beste Schutz besteht darin, nicht relevante Daten erst gar nicht zu erhalten. Jede über die Zuständigkeit hinaus geprüfte Anfrage, deren personenbezogene Daten erst gar nicht zugestellt werden, erspart die Speicherung dieser Daten über einen Zeitraum von mindestens fünf bis sechs Jahren, so wie es Verjährungsfristen und Archivierungsvorschriften fordern. Auch hierbei hilft BIL in entscheidender Weise durch die vorgeschaltete Zuständigkeitsprüfung.

Für die weiträumige Zuständigkeitsprüfung werden die Trassenverläufe auf Basis ihrer Spannfelder segmentiert und mit den Betreiberdaten aus dem BIL-Portal verglichen. Jedes Spannfeldpolygon erhält dafür die Breite der in der GW 22 des DVGW definierten Einflussbereiche. Für die Beeinflussung durch Betriebsströme in Drehstromfreileitungen sind dies 400 m beidseitig der Spannfeldachse. Foto: amprion

Kommunikationsplattform für die Energiewende

Im Kontext des notwendigen Stromnetzausbaus und der Planungen für erhöhte Netzlasten an bestimmten Trassen müssen den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB’s) die betroffenen querenden beziehungsweise unterirdischen Leitungen bekannt sein, da Stahlrohrleitungen im Untergrund elektromagnetischen Emissionen ausgesetzt sind, die durch benachbarte Hochspannungsleitungen induziert werden, und durch die es zu Wechselwirkungen kommen kann. Daher ist vor Lastwechseln eine Zuständigkeitsprüfung über alle Betreiber von Stahlrohrleitungen erforderlich, die abschließend gegebenenfalls zur Betroffenheitsprüfung mit genauen Daten führt. Auch hier ist nicht nur Recherche und Anfrage durch den ÜNB erforderlich, sondern auch das Bekanntwerden bei den Rohrnetzbetreibern mit den Lokalitäten der Planungen. Dafür müssen die zuständigen Betreiber zwischen allen Maststandorten identifiziert und benachrichtigt werden. Dieser Gesamtprozess ist dem traditionellen Prozess der Leitungsauskunft sehr ähnlich, erzeugt aber ein vielfach höheres Anfrageaufkommen bezogen auf Spannfeldflächen zwischen den Maststandorten. Zwischen jeder Spannfeldfläche zwischen benachbarten Maststandorten verlaufen Leitungen unterschiedlicher Betreiber, was im Ergebnis einer Anfrage zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Angefragt wird ein Trassenverlauf über längere Strecken, sodass die Anfrage gebündelt über das Portal abgesetzt werden kann. Anforderung ist die Kenntnis der dortigen Betreiber, welche in einem zweiten Schritt detailliert wird. Der jeweilige Betreiber wiederum wünscht sich eine Benachrichtigung, ohne bereits antworten zu müssen. Der zweite Schritt zum tatsächlichen Ausbau führt dann zum Austausch von Daten zwischen ÜNB und Rohrnetzbetreiber. Hier ist ein hoher Automatisationsgrad erforderlich, der die hohe Datenmenge für Analysen über 40.000 bis 50.000 Maststandorte im Bundesgebiet erforderlich macht. Sowohl die Dynamik der Netzgebietsveränderungen auf Betreiberseite als auch wiederholte Analysen und Simulation der ÜNB sind ohne wirksame IT-Unterstützung mit Zugriff auf digitale Daten einfach nicht durchführbar. Der hohe Handlungsdruck der Energiewende erfordert hier modernste Verfahren der Leitungsauskunft, die geeignet sind, die Ziele der Energiewende zu erreichen.

Kontakt: BIL eG, Jens Focke, 53123 Bonn, Tel.: +49 228 / 92 58 52 90, info@bil-leitungsauskunft.de

Related Post